„Grenzen überwinden“
UNESCO-Projekttag am THG
„Another brick in the Wall“ – als die britische Rockband Pink Floyd diesen Song 1979 veröffentlichte, galt deren Intention vor allem, an strengen Erziehungsregeln und harten Strafen, denen Kinder und Jugendliche (auch in der Schule) ausgesetzt waren, zu rütteln, und gegen Gleichförmigkeit und Konformität anzugehen. Das Bild von der Wand aus Mauerziegeln öffnet sich nahezu automatisch beim Hören dieses Liedes. Eine Mauer oder eine Wand bedeutet immer auch eine Grenze, die trennt, abhält, abwehrt – im Lied von Pink Floyd singt der Kinderchor selbstbewusst „We don´t need no education“ – und macht dadurch deutlich, dass es nicht das Ziel sein darf, einen Mauerziegel nach dem anderen zu formen und so eine unüberwindbare Grenze aufzubauen.
Genau gegen diesen Umstand, dass es Grenzen gibt, gegen die man angehen, die man beseitigen, die man überwinden muss, machte das THG an seinem Projekttag zum Thema. Unterschiedliche Aspekte und Facetten um den Begriff der Grenze galt es zu untersuchen; im Fokus aber dabei immer der eine große Auftrag: Wie kann man gegen Grenzen angehen, sie abbauen, wie kann man „Grenzen überwinden“?
In unterschiedlichen Projekten setzten sich die Klassen mit diesem Thema auseinander und setzten dabei ganz individuelle Schwerpunkte. Die Klassenstufe 5 beschäftigte sich beispielsweise mit der UNESCO als Brückenbauer – und überwand im Anschluss ihre persönlichen Grenzen, indem die beiden Klassen gemeinsam klassenübergreifend Challenges im Stadtgarten überwenden. In anderen Klassen, wie zum Beispiel der Klasse 8c, standen körperliche Grenzen in Form von Einschränkungen im Mittelpunkt des Tages: Ausgehend von der Auseinandersetzung mit den eigenen und persönlichen Grenzen wurde das Spektrum erweitert im Hinblick auf Themen wie Gehörlosigkeit, Trisomie 21, körperliche Behinderungen und Ängsten/ sozialen Phobien. Die Begegnung mit diesen Themen und vor allem den Auswirkungen und Folgen dieser körperlichen und mentalen Einschränkungen für das Leben der betroffenen Personen macht deutlich, dass diese eine immense Belastung darstellen, die zusätzlich zu den ganz „normalen“ persönlichen Grenzen besteht. Hände zu reichen, Hilfestellung zu geben, alle Menschen, egal ob mit oder ohne körperliche oder mentale Einschränkung, in die Gemeinschaft aufnehmen – all das sind Schlussfolgerungen, die aus der Beschäftigung mit dem Thema „Körperliche und mentale Einschränkungen“ erwachsen sind.
Einige Klassen griffen gesellschaftspolitische Themen auf: Die Klasse 9b machte sich beispielsweise auf nach Ulm, um die dortige Synagoge zu besuchen. Ein besonderes Highlight durfte auch die Klasse 10a erleben, die sich mit einem ganz besonderen Arbeitsfeld auseinandersetzte: der Feuerwehr, die sich bei jedem Einsatz in eine Grenzsituation begibt. Die Führung durch die Wache sowie die Beschreibung der Aufgaben machten deutlich, wie Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner bei jedem Einsatz über ihre eigenen persönlichen Grenzen gehen, auch in körperlicher Hinsicht häufig die eigenen körperlichen Grenzen austesten müssen und auf diese Weise zu einer sicheren Gesellschaft beitragen.
Weitere Projekte gingen auf Initiative der SMV-Gruppe zurück und beinhalteten die Beschäftigung mit unterschiedlichen Kulturen und deren Merkmale. In der Klasse 11d stand beispielsweise die Auseinandersetzung mit der irischen Kultur und den zahlreichen Konflikten mit den Briten im Vordergrund; auch die gesellschaftliche Komponente wurde thematisiert: Irische Volkstänze sowie Speisen brachten typisch irisches Flair nach Aalen. Die Jahrgangsstufe setzte sich in unterschiedlichen Projekten, teils geleitet von externen Referenten wie zum Beispiel Frau Kane, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Aalen, die gemeinsam mit einer Gruppe das Fremdsein zwischen Menschen thematisierte, auseinander. Das Überwinden von Grenzen wurde auch ganz praktisch angegangen: So baute die Klasse 11a Brücken, die verbinden.
Am Ende des Projekttags entstanden viele Produkte, die nicht als Ziegelsteine, die eine Mauer erschaffen, sondern eher als Treffenstufen, um über die Mauer zu klettern, verstanden werden können und so den Thementag „Grenzen überwinden“ sinnvoll abrundeten.
Das UNESCO-Team bedankt sich recht herzlich bei den engagierten und motivierten Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schülern sowie allen externen Referenten, die mit ihrer Auseinandersetzung zu einem wachsenden Miteinander in unserer Gesellschaft beigetragen haben.