Durch Entschuldigung Grenzen überwinden
Thementag „Schulen und Handeln – ein unfaires Tauschgeschäft“
„Grenzen überwinden“ - so lautet das diesjährige Motto der Projekttage an UNESCO-Projektschulen, so auch am THG. Im Fokus steht dabei nicht nur, den Begriff der Grenze in unterschiedlichen Aspekten zu untersuchen, sondern vor allem die Frage, wie man gegen diese Grenzen angehen, sie abbauen kann.
Das Motto des THG-Projekttags greift jedoch tiefer. Denn die Teilung der Welt in eine Süd- und eine Nordhälfte stellt eine schier unüberwindbare Grenze dar, welche in den letzten Jahren viele Menschen aus dem Süden durch die Flucht über das Mittelmeer zu überwinden suchten und dabei zu oft ihr Leben lassen mussten. Die Flucht in den goldenen Norden wird angetreten, weil in vielen afrikanischen Ländern zunehmend schlechtere klimatische Bedingungen mit entsprechenden Auswirkungen auf Landwirtschaft und damit Versorgung herrschen. In engem Zusammenhang damit stehen die Schuldenlasten vieler Länder aus dem globalen Süden: Zu viele Staatseinnahmen wandern nicht in inländische Infrastruktur, Bildung, Gesundheitsvorsorge usw., sondern stattdessen in die Tilgung von Schulden an Gläubiger, vornehmlich aus dem globalen Norden. Die Folge: Reiche werden dadurch reicher, Arme noch ärmer, die Schere zwischen beiden wird größer, die Grenzen werden stabiler – und die Welt wird geteilt.
Als UNESCO-Schule tritt das THG in besonderem Maße für den Abbau von Grenzen und eine gleichberechtigte Gesellschaft ein: Sich einzusetzen für ein Brückenbauen (statt Grenzen zu ziehen), damit die Welt zu einer einzigen Welt zusammenwachsen kann. Dieser EINEN Welt stehen jedoch einige Aspekte gegen, für die sich vor allem auch ein besonderer Grund verantwortlich zeichnet: die Abhängigkeit des globalen Südens vom Norden, vor allem aufgrund der Verschuldung des Südens. Am Montag, den 20. Juli, stand dieses Thema am THG im Fokus und wurde bereits am Vormittag in Form eines Workshops in der Klasse 11b aufgegriffen. Mitthilfe eines Wertestrahls positionierten sich die Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen Fragestellungen zum Thema Schulden und Entschuldung, um sich zunächst mit ihrem eigenen Standpunkt auseinanderzusetzen. Im Anschluss analysierten sie am Beispiel Sambias die Ursachen der dortigen Schuldenkrise. Zudem setzten sie sich mit Konzepten auseinander, die wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit in Sambia ermöglichen könnten und erarbeiteten konkrete Handlungsoptionen für jugendliches Engagement in Sambia und Deutschland. Erarbeitet wurden diese Inhalte in Gruppenarbeit mithilfe eines „Mysterys“. Indem die Schülerinnen und Schüler verschiedene Informationskärtchen eigenständig anordneten, erschlossen und visualisierten, erkannten sie die globalen Zusammenhänge selbst. Die kooperative Methode regte alle Beteiligten zu einem intensiven Austausch an, der abschließend durch das Präsentieren der Arbeitsergebnisse im Plenum vertieft wurde.
Abends fand ein offener Vortrag mit anschließender Diskussionsbegegnung zum Thema „Schulden und Handeln – ein unfaires Tauschgeschäft“ statt, zu dem alle Interessierten in die THG-Aula herzlichen eingeladen waren.
Nach der Begrüßung durch Herrn Michael Fitzner als Vertreter der Schulleitung des THG, der, ausgehend vom Begriff des Jubeljahres, auf die Dringlichkeit zu handeln verwies, schloss sich die Begrüßung durch die Initiatorin des Vortrags, Frau Herma Geiß, an, die zunächst die beiden Referentinnen, Paula Bünger und Elliot Hengstermann vom „Bündnis Erlassjahr“ (Geschäftsstelle Düsseldorf) vorstellte. Im Anschluss erläuterte Frau Geiß allgemein die Problematik, zeichnete den langsamen und mühevollen Weg der Kampagne nach. Ihr Dank galt - neben dem Engagement der Referentinnen - auch den Unterstützern des Aktionsbündnisses, „Attac Aalen“ und dem „Eine-Welt-Fond“. Mit viel Einfühlungsvermögen und Herzblut legten die beiden Referentinnen zunächst Grundsätzliches zur Problematik rund um die Verschuldung des globalen Südens und die damit einhergehenden Nachteile, die sich aus dieser Verschuldung ergeben, dar. Dabei zeichneten sie anschaulich den Zusammenhang des Teufelskreislaufs aus Schulden und Handel nach und verwiesen auf die, die Grenzen weiter zementierenden, Handelsabkommen. Immer wieder gingen die Referentinnen auf die Fragen des Publikums ein, leiteten Diskussionen, beispielsweise zur Definition und Bemessung von Armut, und deckten dabei fehlerhafte Denkweisen und Beurteilungen auf. Und immer wieder wurde die Brücke zurück zum Thema gespannt, das letztlich in der Präsentation von Lösungsansätzen mündete.
Im sich dem Vortrag anschließenden offenen Austausch konnten die Anwesenden viele Fragen rund um Möglichkeiten und Lösungswege aus dem Teufelskreislauf mit den Referentinnen erörtern. Dabei kam vor allem auch zur Sprache, in welcher Art und Weise die Menschen in Deutschland sich engagieren, sich stark machen können und wie die Politik Deutschlands zu einer fairen Entschuldung beitragen kann - damit Grenzen nicht verstärkt, sondern überwunden werden können.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Bläserensemble des THG unter Leitung von Sebastian Hahn, für das leibliche Wohl sorgte die UNESCO-AG. Das THG als UNESCO-Projektschule bedankt sich bei allen Beteiligten, allen voran bei den beiden Referentinnen und der Initiatorin, Frau Herma Geiß, für den vertieften Einblick in das Thema sowie die Möglichkeit zur Diskussion, die durch die beiden Veranstaltungen am Vormittag bzw. am Abend geschaffen wurden. Als UNESCO-Projektschule hofft das THG, mit diesem Thementag einen Beitrag zum Abbau von Grenzen, und wenn nicht dem Abbau, dann wenigstens dem Bewusstmachen dieser Grenzen und der damit verbundener Handlungsdringlichkeit, geleistet zu haben.